Im letzten Jahr hat Wolfgang Olbrich von der LG DUV den Kölnpfad nonstop ausgerichtet. Einige ganz hartgesottene Läufer machten sich auf den Weg, einmal Köln am Stück zu umrunden.
Auf den ersten 60km versuchte ich mich nicht gerade erfolgreich als Fahrradbegleiter und am Ende der Etappe hatte die Troisdorfer LG M.U.T. eine Verpflegungsstation aufgebaut.
Schon damals kam die Idee auf, einen Teil der Strecke als lange Trainingseinheit zu laufen und dann bis nach Troisdorf zu ergänzen.
Als Gaby und ich dann im Dezember begannen, die ersten Monate des Jahres planen, fiel uns das wieder ein und schon fand sich der Lauf als erste wirklich lange Einheit für uns beide auf dem Trainingsplan wieder.
Zu dem Zeitpunkt musste man für diese Gegend nicht unbedingt mit Schnee rechnen, das ist hier doch eher selten.
Die letzten Wochen belehrten uns eines Besseren, aber nicht zu laufen würde ein Verschieben ins Unbestimmte bedeuten. Bei zwei Läufern mit Kind bedeuten gemeinsame lange Läufe und Wettkämpfe immer viel Organisationsaufwand. Also blieb der 16. Januar der Tag des Kölnpfads.
Start des Unternehmens war 6:19 Uhr am Troisdorfer Bahnhof. Mit dem diesmal pünklichen Regionalexpress ging es nach Köln-Deutz, wo es nach einem Frühstücksbrötchen weiterging mit der Straßenbahnlinie 4 zur Endhaltestelle Leverkusen-Schlebusch.
Hier ist einer der elf Etappenstartpunkte für den Kölnpfad, der mit etwa 171km einmal um Köln herumführt. Wie unser Ausgangspunkt sind auch alle anderen gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, so dass man bequem Teilstücke des Wanderwegs begehen, bzw laufen kann.
Um 7:07Uhr standen wir dann irgendwo an einer einsamen Haltestelle und sahen zunächst mal....
NICHTS.
Wir waren nämlich früh dran, zu früh. Genaugenommen trennte uns etwa eine halbe Stunde von dem Augenblick, an dem man die Karte mithilfe des Tageslichts sehen konnte. An eine Taschenlampe hatten wir natürlich nicht gedacht.
Auf der gesamten uns bevorstehenden Strecke ging es ziemlich zickzack durch die Wälder, eine Abzweigung zu verpassen wäre ärgerlich, aber wahrscheinlich.
Aber der Gedanke, eine halbe Stunde in der Kälte zu stehen war auch nicht gerade erquickend, also los und rein in die Dunkelheit.
Von da an hieß es "Augen auf" und bloß keine Abzweigung verpassen. Wenn wir eine entdecken konnten, ging es an den Wegrand und jeder Baum wurde aus nächster Nähe mit dem Handy angeleuchtet, um die Zeichen des Kölnpfads zu entdecken.
Glücklicherweise ist der Weg an den meisten Stellen gut ausgeschildert und durch die Radbegleitung im letzten Sommer konnte ich mich auch noch an viele Ecken erinnern. Nur einmal war uns nicht ganz klar, welchen der verfügbaren Wege wir nehmen mussten. Ehrensache, dass wir den falschen erwischten, es aber zum Glück schnell merkten.
Irgendwann war es dann so hell, dass wir die Karte wieder lesen konnten. Von da an ging es einfacher, denn wenn man weiß, wo man sich gerade befindet, guckt man ganz anders nach den Abzweigen.
Die Strecke selbst ist auf diesem Teilstück wunderschön, aber bei Schnee auch recht schwer zu laufen, da es doch oft sehr glatt war.
Auf dem rechten Bild sieht man den Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke. Am Anfang der Steigung war allerdings gehen angesagt, zu glatt war hier der Weg.
Gleich danach kommt man auf eine kleine Strasse und erreicht die Stelle, an der im Sommer mein Irrweg begann. Zu Fuss und mit Zeit kann man schnell erkennen, dass sich hier zwei Rundwege berühren. Mit dem Fahrrad und ohne Zeit fällt das Verfahren leicht.
Da wir Zeit hatten und zudem vorgewarnt waren, schenkten wir dem Herkenrath-Rundweg keinerlei Beachtung und folgten unserem Kölnpfad. So bekam ich also auch noch die Gelegenheit, den fehlenden Streckenabschnitt zu sehen. Und das lohnt sich nicht nur weil es meist bergab ging.
Nach knapp 30km erreichten wir Bensberg, natürlich nicht ohne am schon frühzeitig sichtbaren Schloss vorbeilaufen zu müssen. Dieses wäre nicht so gut zu sehen, läge es nicht auf dem Bensberg (oder wie auch immer dieser Hügel heissen mag). Auf jeden Fall ging es steil bergauf um dann wieder bergab durch die City zu laufen.
Wir nutzten die Gelegenheit und legten am Busbahnhof eine kleine Kaffeepause ein.
Frisch gestärkt machten wir uns dann auf die nächste Etappe in Richtung Wahn. Kurz nach Bensberg wird die A4 unterquert und von da an läuft man durch den Königsforst. Mehrere Kilometer am Stück nur geradeaus, nach den Winkelzügen der ersten Etappen geradezu langweilig. Oder auch erholsam.
Am Ende des Königsforsts geht es ein wenig entlang einer Bundesstraße, bevor der Weg dann durch eine Parkanlage führt. Das natürlich wieder mit jeder Menge Abzweigen.
Für uns war dies dann auch der letzte Waldabschnitt, von hier an waren Straßen und Feldwege unser Geläuf.
Gerade am Anfang von Wahn meldete sich meine Garmin mit der Anzeige: "Batterien fast leer". Erst einige Kilometer sollte ich merken, dass damit nicht die Uhr gemeint war, sondern meine Batterie. Erstaunlich was diese Forerunner so alles kann.
Vorher, am S-Bahnhof Wahn, war es an der Zeit für unsere zweite Kaffeepause. 45 gelaufene Kilometer zeigten unsere Uhren und noch lagen mehr als zehn weitere vor uns.
Noch drei weitere Kilometer blieben wir auf dem Kölnpfad, bevor wir dann in Libur in Richtung Troisdorf abbogen.
Die nächsten Kilometer waren dann die härtesten der ganzen Strecke. Mit meinen fast leeren Batterien ging es über freie Felder mit heftigem, kaltem Gegenwind. Genau das braucht das Läuferherz. Jeder Schritt war für mich hier eine Qual, aber irgendwie mussten wir ja hier durch.
Kurz vor der rettenden Wohnbebauung ging es dann noch um den neuen Golfplatz. Den Schildern nach zu urteilen, scheint das neuerdings ein gefährlicher Weg zu sein. Na gut, mit so einem Wind kann schon mal ein Schlag zu weit gehen.
Ein paar Minuten später war es dann überstanden, im Ort war es nicht mehr windig und wir konnten gemütlich nach Hause traben.
Am Ende zeigten unsere Garmins dann etwas mehr als 57 Kilometer und wir konnten uns auf ein warmes Bad freuen.
Ein schöner Lauf war es. Allerdings auch anstrengend. Um halb neun abends waren alle im Tiefschlaf.