Samstag, 26. Dezember 2009

Der Polarexpress

Zunächst mal wünsche ich allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest.
Ich hoffe, Ihr habt alle schön gefeiert und könnt die Feiertage geniessen.



Mein heutiger Eintrag ist allerdings noch aus der Vorweihnachtszeit.
Für Sonntag vor Weihnachten hatte ich von einem Kollegen noch zwei Karten für das letzte Heimspiel des 1.FC Köln gegen den 1.FC Nürnberg bekommen. Das Spiel an sich war nicht wirklich bedeutsam, aber die Erlebnisse der Hin- und Rückreise wollte ich doch noch schnell loswerden.

Einmal im Jahr gönnt man sich mal etwas Kultur (naja), und schon beginnt es im Rheinland zu schneien. Am Düsseldorfer Flughafen herrschte bereits das Chaos und in Troisdorf wühlten Markus und ich uns durch die Schneeflocken zum Bahnhof, wo zumindest unser Zug noch nach Plan abfahren konnte.
Am Stadion angekommen ging es über die schneebedeckte Wiese, am Glühweinstand vorbei hin zu unseren Sitzplätzen hinter dem FC Tor. Bis dahin also alles klar.

Die Stimmung vor dem Spiel war wie immer gut, man sagt ja, das in Köln die halbe Stunde vor dem Spiel üblicherweise die unterhaltsamste ist. Der verwzeifelte Versuch der Helfer, den Platz mithilfe von Laufbläsern schneefrei zu bekommen, war ebenso lustig anzusehen, wie der Auftritt der Cheerleader. Im vollen Stadion ging zumindest der Lärm der sonst so lästigen Laubbläser unter.

Das Spiel selbst war wie zu erwarten Not gegen Elend, viel Zufall, allerdings mit Vorteilen für die Kölner. Am Ende ging es dann 3:0 aus, wir hatten also fast ein Drittel der gesamten Kölner Tore der Hinrunde gesehen. Die Stimmung war dieses Mal somit auch nach dem Spiel entsprechend gut und alles lief entspannt Richtung Strassenbahn.

Hier jedoch der erste Dämpfer. Die Abfahrt der Züge erfolgte ziemlich schleppend, der Schnee blockierte immer wieder die Weichen. Auf dem Bahnsteig wurde es immer voller, das war nichts für Leute mit Platzangst. Nach einigen Minuten wurden wir dann irgendwie in die Strassenbahn gepresst und es ging dann endlich los im Sardinentransporter der KVB.
Umfallen war in dieser Bahn nicht möglich.

Am Hauptbahnhof sah dann alles nach einem Durchmarsch aus. Nur fünf Minuten Wartezeit bis zur S-Bahn nach Troisdorf, die dann sogar pünktlich in den Bahnhof einlief. Wir also rein in den Zug und gleich unsere Ankunft in Troisdorf gemeldet, um die Abholung vom Bahnhof zu bestellen. Das war vielleicht etwas voreilig. Denn bereits an der nächsten Station, Köln-Deutz, also gerade auf der anderen Seite der Rheinbrücke, blieb der Zug stehen. Zunächst war es auf "unbestimmte Zeit", WOrte, die wir an diesem Abend noch häufiger hören sollten.
Zehn Minuten später hieß es dann, alle Aussteigen, der Zug endet hier. Weichenstörung...
Von da an versanken wir im Informationsnirvana. Das Bahnsteigpersonal mit den roten Mützen wurde ja sicherheitshalber schon vor Jahren eingespart und die automatischen Ansagen kommen mit einem totalen Systemversagen auch nicht zurecht. Also galt es selbst Alternativen zu suchen.

Eine einzelne gestörte Weiche muss ja bei der Vielzahl von Gleisen in Köln nichts bedeuten, also begaben wir uns zum Gleis vier, wo die Regionalbahn fahren sollte. Auch hier, oh WUnder, wieder keine Verspätung angezeigt. Mitreisende freuen sich, doch ein geschultes Bahnfahrerauge erkennt, das man sich nicht zu früh freuen sollte. Denn nur wenige Meter ausserhalb des Bahnhofs sah man die Rücklichter eines ICEs, der dort schon minutenlang stand. Just auf dem Gleis, das wir auch nehmen müssten.

Trotzdem, einsteigen und hoffen. Doch es dauerte nur wenige Minuten bis zur Durchsage: ... unbstimmte Zeit...
Und so standen wir wieder mal da und hungerten und froren. Wenigstens gegen den Hunger konnten wir etwas tun. Wir hatten ja unbestimmte Zeit zur Verfügung um zum McDonalds zu gehen.
Als wir gestärkt zu unserem Gleis vier zurückkamen, war klar, dass sich nichts geändert hatte. Ausser, dass beim Lokführer einige Personen standen, sozusagen an der Quelle. Der gute Mann war der einzige greifbahre DB-Mitarbeiter und hatte im Chaos sogar die gute Laune behalten.
Seine neueste Info war, dass es innerhalb der nächsten halben Stunde weitergehen sollte. Also sahen wir davon ab, ein Taxi zu nehmen oder jemanden nach Köln zu bestellen, der uns abholen könnte.



Und tatsächlich, nach einer halben Stunde bewegte sich der ICE vor uns. Unter dem Jubel der Fahrgäste setzte sich auch unsere Regionalbahn in Bewegung.
Doch nach nicht einmal zwei Kilometern standen wir schon wieder. Diesmal mitten auf der Strecke.
Unser Lokführer brachte die schlechte Nachricht: Leider war nun der ICE vor uns liegen geblieben. Wer rät, was dann kam, hat schon gewonnen: Ja, "unsere Weiterfahrt verzögert sich um unbestimmte Zeit..."

Nach Ablauf dieser unbestimmten Zeit war meine Geduld auch langsam am Ende und erst am Troisdorfer Bahnhof habe ich die erfolgreiche Weiterfahrt endgültig geglaubt. Es war tatsächlich die letzte Unterbrechung und wir waren kurz nach elf Uhr abends doch noch zuhause angekommen.

Hoffentlich musste der Weihnachtsmann am Heiligen Abend in Gegenden, wo noch Schnee lag, nicht mit der Bahn fahren.

4 Kommentare:

Blumenmond hat gesagt…

Da denkt man immer, das erzählen die Anderen, das gibt es nicht wirklich und schwupps ist man drin in so ner Geschichte. Jaja... die Bahn, immer für Erlebnisse gut.

Volki67 hat gesagt…

Man sollte auf jeden Fall immer eine Notfallration sowie etwas zu lesen dabei haben. Auch wenn es nur ins Nachbardorf geht...

michi hat gesagt…

Du sagst es und ist auch immer meine Rede, immer für alle Fälle auf Reisen ein Buch in der Tasche haben. Ich mache das immer, damit könnte ich mir schon eine Weile die Zeit vertreiben ohne schlechte Stimmung zu verbreiten.
Hier ging gar nichts mehr an dem Wochenende *lach* Als ich vom langen Lauf zurückkam und aus der Badewanne stieg, erfuhr ich von außerhalb, dass der Flughafen schon sehr früh gesperrt war. War aber auch unglaublich, was in ein paar Stunden hier vom Himmel fiel und wie hoch der Schnee plötzlich auf dem Rückweg war.
Wie im Wintersportort sah es aus und man merkte schon, nur wer unbedingt fahren oder raus musste war unterwegs.

Volki, ich wünsche Dir ein tolles 2010, gesund, verletzungsfrei, erfolgreich, spannend, aufregend, mit weniger Stress, dafür mehr Zeit für Dich/Euch und Dingen die Du gerne tun möchtest und vielen schönen Laufkilometern! Selbiges wünsche ich auch Deiner Gaby!

Volki67 hat gesagt…

Hallo Michi,
ich wünsche Dir auch ein gutes neues Jahr.
Beim Silvesterlauf gestern sah es hier übrigens gar nicht winterlich aus. Aber dazu später mehr!