Schon vor einigen Monaten hatten Gaby und ich für den Marathon rund um den Baldeneysee in Essen gemeldet. Nicht nur weil wir dort bisher immer gutes Wetter hatten und diverse Bekannte getroffen hatten, sondern auch weil die Strecke gut für schnelle Läufe geeignet ist. So hatten wir uns auch ganz gut vorbereitet, bis uns vorletzte Woche die Erkältungen heimsuchten.
Nix war es mit Bestzeiten, wir konnten froh sein überhaupt wieder fit zu werden. Bei Gaby war bis Anfang der Woche noch nicht einmal klar, ob sie würde starten können.
Am Mittwoch erreichte uns dann die Anfrage aus Essen, ob wir nicht Zug- und Bremsläufer für die 4:00h Gruppe machen könnten. Ein Großteil der eingeplanten Vorläufer hatte wegen Verletzungen und Erkrankungen absagen müssen, so dass schnell noch Ersatzvorläufer gesucht werden mussten.
Ohne groß darüber nachzudenken, sagten wir zu und standen plötzlich erstmals vor dieser Verantwortung, auf eine bestimmte Endzeit laufen zu müssen. Klar, normalerweise können wir vier Stunden laufen, aber wer weiss schon was alles passieren kann. Und überhaupt, egal wie fit man ist, die 42,2km muss man erstmal schaffen....
Irgendwie hatte ich auf jeden Fall auf einmal mächtig Bammel, mehr als vier Stunden zu brauchen. Ich wäre vermutlich im Boden versunken.
Wenn ich alleine laufe, egal, aber wenn sich Leute auf mich verlassen...
Sonntag ging es dann zeitig auf die Autobahn, um auf keinen Fall in Zeitnot zu geraten. Unser Auto konnten wir wie in den vergangenen Jahren direkt am Start parken, das ist praktisch, weil man seine Jacke erst kurz vor dem Beginn ausziehen muss.
Die Wettervorhersage war katastrophal, aber zumindest vor dem Rennen war nichts vom angekündigten Regen zu sehen.
In der Halle bekamen wir dann ein paar Shirts mit dem Aufdruck "Brems und Zugläufer" sowie jeweils drei schicke orangene Luftballons mit unserer Endzeit. Jetzt war auch mit klar, was der Ausdruck BruZler bedeuten sollte...
Dazu noch eine Marschtabelle, nach der wir in 3:59:06 das Ziel erreichen sollten.
Vorgabe war die Bruttozeit, so dass jeder der vor uns im Ziel war, auf jeden Fall eine Zeit unter vier Stunden haben würde.

Mit Gaby und Manfred waren wir dann schließlich drei vier-Stunden-Läufer und versuchten vom Start an einigermassen gleichmäßig zu laufen. Zumindest die 5km-Abschnitte wollten wir nach Plan erledigen. Denn um eine Verpflegung zu ermöglichen, wollten wir die Kilometer etwa fünf Sekunden schneller angehen als laut Plan erforderlich.
Nach etwa fünf Kilometern, in denen Gaby und ich vorne liefen und Manfred das Ende der doch recht großen Gruppe bildete, kam ich Gaby zu nahe und unsere Luftballons verknoteten sich. So kann man natürlich prima eine identische Zeit laufen, aber richtig praktisch ist das nicht.
Die letztlich erfolgreiche Entknotung durch Manfred nutzten zwei unserer Ballons zur Flucht.
Kurz danach kam die erste Verpflegung und die Gruppe zog sich etwas auseinander. Von da ab machte Gaby vorne das Tempo mit 5:35-5:40 je Kilomter und Manfred und ich liefen etwas weiter hinten, aber immer so, dass wir die vier Stunden Brutto im Auge hatten.
Den Halbmarathon absolvierten wir in 1:59 und hatten somit etwa eine Minute gut. Bis hierhin sind die meisten sicherlich noch ganz gut mitgekommen, aber die schwierigen Kilometer liegen ja bekanntlich in der zweiten Hälfte.
Zwischen Kilometer 25 und 35 zog sich die Gruppe merklich auseinander und es fielen doch einige Läufer heraus, für die es dieses Mal vielleicht doch noch nicht gereicht hat. Gaby lief vorne wie ein Uhrwerk, obwohl sie als einzige keine Marschtabelle hatte. In dem Bereich waren Zeiten knapp unter 3:59 in Sichtweite.
Am Ende bildete Manfred die virtuelle 4-Stunden-Brutto-Linie und irgendwo dazwischen lief ich.
Ein paar Kilometer vor dem Ende schickte Gaby die noch fitten Läufer nach vorne weg und lief schliesslich mit 3:59:15 (Brutto) ins Ziel.
Bei mir steht in der Ergebnisliste 4:00:00 (Brutto), das würde ich mal eine Punktlandung nennen. Die Nettozeit war 3:59:08 etwas krummer, aber dafür auch nur zwei Sekunden daneben.
Ich hoffe, dass wir dem einen oder anderen helfen konnten, zumindest aber niemanden beim Umsetzen seiner Trainingsleistungen behindert haben.
Mir hat es viel Spass gemacht und es war echt eine neue Erfahrung.