Monkey IslandErinnert sich eigentlich noch irgendjemand an Guybrush Threepwood?
Für mich steht dieser Name für unzählige Stunden vor dem Computer im Studentenwohnheim. Bei mir war es noch ein Amiga inklusive fleissigem Diskettenwechsel, andere hatten schon 386er Computer im Einsatz.
Wer ihn nicht kennt, Guybrush Threepwood ist der Held des ersten Grafik-Adventures, das ich tatsächlich komplett durchgespielt habe, und will Pirat werden. Die Story spielt irgendwo in der Karibik und ist so witzig umgesetzt, dass stundenlanger Spass garantiert ist.
Vor ein paar Tagen habe ich dann mehr oder weniger zufällig entdeckt, dass es eine Neuauflage von
Monkey Island gibt (oder geben wird). Es soll das original Spiel sein, nur auf den heutigen Stand der Technik gebracht. Und für Puristen wird sogar die alte Steuerung noch integriert sein. Ich bin sehr gespannt....
Eine der Aufgaben des Adventures, an die ich mich noch erinnern kann, ist die Suche nach dem Auge des Navigators. Nur mit diesem unverzichtbarem Hilfsmittel war es möglich durch die geheimnisvolle See um die verschiedenen Inseln zu navigieren.
Genau so was hätte ich auch gestern gebraucht beim
Kölnpfad-nonstop 2009Der Kölnpfad ist ein Wanderweg rund um Köln, der insgesamt etwa 170km lang ist und größtenteils durch Wälder oder Grünanlagen führt.
Da das zum Wandern natürlich viel zu lang ist, liegt es natürlich nahe, diese Strecke laufend zu bewältigen.

So dauerte es nicht lange bis Wolfgang Olbrich von der LG DUV zum ersten
Kölnpfad Nonstop aufrief.
Insgesamt 14 Läufer und 3 Läuferinnen machten sich dann am frühen Samstagmorgen auf den Weg, ausgerüstet mit guter Laune, guter Kondition und gutem Kartenmaterial.

Für mich ist diese Strecke weit ausserhalb meiner Möglichkeiten, doch bot sich die Gelegenheit unseren Troisdorfer Teilnehmer Michael mit dem Fahrrad auf dem ersten Drittel der Strecke zu begleiten. Etwas bei Kilometer 60 hatte unser Verein, die Troisdorfer LG M.U.T., einen Verpflegungsstand aufgebaut, an dem das Begleitpersonal gewechselt wurde.
Mit dem Fahrrad kann man viel Material und insbesondere viele Getränke transportieren, was bei dem gnadenlosen Sonnenschein unbedingt erforderlich war. So hatte ich dann neben der Karte und diversen Handys auch noch die Getränke von Michael, Hauke und Mo, der Michael zu Fuss begleiten wollte an Bord.
Die Runde startete in Dünnwald und ging dann im Uhrzeigersinn in Richtung Bergisch Gladbach wo der höchste Punkt der Strecke erreicht wurde.
Nach etwa 23 Kilometern kam die erste Steigung und das Elend nahm seinen Lauf. Zunächst musste ich schmerzhaft feststellen, dass ein beladenes Fahrrad deutlich schlechter eine Wiese hochkommt als ein Ultraläufer. Beim Versuch in den untersten Gang zu schalten sprang mir die Kette ab und ehe ich mich versah, waren die zu Begleitenden weg...
Nachdem ich das Fahrrad dann keuchend nach oben geschoben hatte und wieder festen Boden unter den Reifen hatte, konnte die Aufholjagd beginnen. Ganz so weit sollten die Läufer ja noch nicht sein. Die Wegzeichen

waren meist gut zu erkennen und so machte ich mir keine größeren Gedanken, dass ich mir auf der Karte einen Rechtsknick eingeprägt hatte, die Zeichen aber geradeaus in einen Feldweg zeigten.
Erst recht als in ziemlich regelmäßigen Abständen weitere Zeichen auftauchten. Erst als ich nach längerer Bergabfahrt immer noch keine Läufer sichtete, kamen mir Bedenken. Beim ersten Ortsschild stellte ich mit Schrecken fest, dass dieses nicht auf der Karte verzeichnet war. Auch ein hilfsbereiter Autofahrer konnte ihn nicht finden und sagte, ich wäre einige Zentimeter ausserhalb der Karte.
Ich fuhr also ein paar Meter zurück und fand wieder die Zeichen, die ich für die des Kölnpfads hielt. Der Weg führte bergauf in die Richtung, die auch der Autofahrer gewiesen hatte, also auf zur nächsten Bergwertung.
Diese führte mich nach Spitze, was ich allerdings ebenfalls nicht auf der Karte finden konnte. In der Zwischenzeit begannen die Läufer zu Dursten und riefen mich schon auf dem Handy an, was meine Verzweiflung nur noch verstärkte. Ich befand mich auf der Bensberger Strasse, was an sich schon mal nicht schlecht war, nur die Richtung war noch offen. Es half nichts, ich musste einen Ortsansässigen fragen. Beim dritten Haus hatte endlich jemand Erbarmen mit meinem Klingen und zeigte mir die Richtung. Ca. 15 Minuten würde ich bis Bensberg brauchen, dass die Läufer längst passiert hatten.
Die Aufholjagd, Teil 2, konnte beginnen. Mit Vollgas raste ich in Richtung Bensberg und dann, endlich wieder auf der Laufstrecke, durch den Königsforst. Und doch dauerte es noch eine endlos lange Zeit, bis ich die Läufer wieder einholen konnte. Mehr als zwei Stunden mussten die Armen ohne Getränke auskommen, was bei der Aufgabe und den Temperaturen sicher kein Spass ist.
Mo war schon völlig ausgetrocknet und beendete seine Begleitung früher als geplant, Hauke musste am Abend ebenfalls aussteigen, nur Michael hat die Dürrezeit gut überstanden und lief sein Rennen wie ein Uhrwerk. Am Ende konnte er den Lauf sogar mit deutlichem Vorsprung gewinnen.
Das hat mich dann auch wieder etwas beruhigt, wäre er ausgestiegen so wäre dies auf jeden Fall auch meine letzte Fahrradbegleitung gewesen.
Wenigstens konnte ich Michael auf den letzten 10 Kilometern vor der Verpflegung wieder versorgen, denn dies waren wohl mit die unangenehmsten des ganzen Laufs. Lange Geraden durch die Felder, kein Schatten, gnadenlose Sonne und extrem hohe Temperaturen.

Am Ende konnten dann acht Männer und alle drei gestarteten Frauen die ganze Runde vollenden, die anderen mussten leider irgendwo auf der Strecke aussteigen. Alle haben meines Erachtens Unvorstellbares geleistet und haben meine volle Bewunderung.
NachwortHeute habe ich auch erfahren, warum ich mich so verfahren habe. Am Nordöstlichen Zipfel der Strecke treffen sich der Kölnpfad und der Herkenrather Rundweg. Als Rundwanderweg benutzen beide ein Kreissymbol. Mit etwas mehr Zeit hätte ich beide Schilder gesehen und auf dem einen Kölnpfad und auf dem anderen Herkenrath gelesen. Oder ich hätte mehr auf meine Kartenlesefähigkeit vertraut.
Beides habe ich aber leider nicht.
Mit dem Auge des Navigators wäre das nicht passiert