Ohne genau zu wissen auf was wir uns einliessen, haben wir uns Ende letzten Jahres angemeldet, die Unterkunft gebucht und dann erst die Details aus diversen Quellen im Internet erfahren.
Die Heuschrecke
Karfreitag gegen neun Uhr machten wir uns gut gelaunt und vollbepackt auf die etwa 400km lange Strecke nach Texel, genauer nach de Cocksdorp im Norden Texels. Da wir bisher meist ausserhalb der Ferien reisen konnten, war ich auf etwa vier Stunden Fahrzeit plus Fähre vorbereitet. Ein Irrtum wie sich schon bald herausstellen sollte.
Schon sieben Kilometer vor der Grenze begann ein Stau wegen zu hohen Verkehrsaufkommens, der sich mal mehr mal weniger ausgeprägt bis Amsterdam fortsetzte.
So langsam bekam ich das Gefühl, wie sich die einzelne Heuschrecke fühlen muss, die inmitten eines Schwarms das Feld des hilflosen Nachbarns überfällt. Tausende von Autos aus NRW blockierten schon vormittags die Strassen unseres Nachbarlandes, dessen Einwohner ihrerseits gar keinen Feiertag hatten, sondern arbeiten mussten.
Danach ging es dann wieder etwas zügiger weiter und Hoffnung keimte auf, die anderen Touris führen woanders hin und nicht nach Texel.
Wieder ein Irrtum. Vermutlich sind sie nur alle einen anderen Weg gefahren, denn kurz vor Den Helder, dem Fährhafen, waren alle wieder da. Die letzten zwei drei Kilometer dauerten mehr als eine Stunde oder besser gesagt mehr als zwei Fähren voll.
Glücklicherweise waren dann aber wirklich alle Hindernisse überwunden und die vielen Autos verschwanden im weiten Texeler Land. Was mich übrigens ein wenig wundert, denn so gross ist die Insel doch gar nicht. Bei James Bond wäre sicher eine geheime, gigantische unterirdische Fabrik im Spiel...
Durch den Monsun
Wir aber hatten uns in De Cocksdorp im Norden der einen kleinen aber feinen Bungalow gemietet und haben gleich beim ersten Spaziergang durch das Dorf unseren Laufkollegen Michael samt Familie getroffen. Michael zählt übrigens zu den anfangs schon erwähnten ganz harten.
Am Abend haben uns Martina und Michael noch kurz mit dem Fahrrad besucht, das Wetter lud ja geradezu dazu ein.
Im Laufe des Abends änderte sich das Wetter jedoch und plötzlich bekamen wir ein Gewitter der ersten Kategorie samt Monsunregen geboten. Ich habe die beiden dann mit dem Auto nach Hause gefahren und dabei wohl die schlechtesten Bedingungen gehabt, bei denen ich jemals Auto gefahren bin.
Der Chip
Glücklicherweise war das dann aber auch der einzige Regen, den wir in dieser Woche zu Gesicht bekamen. Am nächsten Morgen war es zwar noch etwas kalt und windig aber immerhin konnte man einen Drachen steigen lassen.
Sonntag Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg nach Den Burg um die Startunterlagen abzuholen. Dort angekommen stellten wir zwei Sachen fest:
1.) Startunterlagen gab es nur für die 120km-Läufer.
2.) Zeitmessung erfolgt über den Auslandskrankenschein, äh Championchip
Große Katstrophe, denn den hatten wir sicherheitshalber mal zuhause gelassen. Schon oft haben wir ihn unützerweise mitgeschleppt doch dieses Mal waren wir sicher, dass er nicht benötigt würde.
Würden wir gar nicht erst starten dürfen?????
Wenigstens hatten wir so auf der Pastaparty was zu lachen.
Frühaufsteher
Die ganz harten durften ja schon um 4:30 Uhr starten und sollten etwa 6:20 Uhr an de Cocksdorp vorbeilaufen. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so ging der Wecker mitten in der Nacht und wir standen mit Kaffeetasse in der Hand an der Strecke.
Der Start
Danach konnten wir erst einmal beruhigt frühstücken, unsere Laufsachen anziehen und zum Startbereich in t' Horntje direkt neben der Fähre fahren. Das Wetter und die Stimmung waren super. Allerbeste Voraussetzungen für einen tollen Lauf.
Bei der Startnummernausgabe ging es holländisch entspannt zu, jede Menge nette Helfer und ein riesiger Berg an Leihchips. Wir waren wohl nicht die einzigen. Für den Start wurde die Hauptverkehrsader Texel kurzzeitig gesperrt und schon waren wir auf dem Weg.
Der Strand
Schon nach etwa fünf Kilometern kam das, was wir am meisten gefürchtet hatten: der erste Strandabschnitt.
Die ersten zwei Kilometer auf Sand waren wirklich hart. Die Strecke war noch weit entfernt vom Wasser und entsprechend locker und tief war der Sand. Der zugehörige Gegenwind hielt sich zum Glück in Grenzen.
Direkt an der Wasserlinie lief es sich dann etwas leichter, da der Boden nun fester war.
Durch die Heide und Dühnen zum Leuchtturm
Die restlichen Kilometer bis zum nördlichsten Punkt der Strecken zeigten vermutlich sämtliche landschaftsarten, die Texel zu bieten hat: Wald, Strand, Dünen, Heide und, man glaubt es kaum, kurze aber knackige Anstiege.
Das Feld lockerte sich auf und manches mal hatte man schon ziemlich viel Platz um sich herum.
Bald schon sah man den Leuchtturm (gleich nördlichster Punkt) und freut sich schon auf dem Rückenwind der dann kommen sollte.
Deichläufer
Der Großteil der weiteren Strecke verlief entlang der Deiche mal auf der Wasserseite, mal auf der Landseite.
Für mich ein echt zermürbender Teil. Aber genau dafür hatten wir ja den Krefeld-Xanten-Lauf gemacht.
Die Marathondistanz absolvieren wir mit einer Zeit von vier 4 Stunden, soweit alles gut!
Das Elend
Kurz danach war es dann leider vorbei mit meinem schönen Lauf. Bei Überschreiten der Marathonlinie schaltet mein Körper anscheinend auf Sparprogramm und ich musste etwas kürzer treten. Meiner Frau habe ich noch schnell einen guten Lauf gewünscht und mich dann schön brav ein paar Meter zurückfallen lassen. Das lief dann auch noch ein paar Kilometer ganz gut, bei der nächsten Verpflegung hat es mich dann völlig zerlegt.
Mein Magen hat sich schlagartig gegen Cola und Wasser gewehrt und mir ging es ziemlich elend. Auch nach einer Blitzentleerung ging es nicht wirklich besser und so schleppte ich mich meist gehend bis zur nächsten Verpflegungsstelle bei km 50.
Obwohl da erst fünf Stunden vergangen waren, hatte ich mit allem abgeschlossen. Als ich dort dann ein Auto stehen sah, beschloss ich kurzerhand auszusteigen.
Eine Entscheidung, die ich schon bald bereuen sollte. Denn schon als wir nach wenigen Minuten den Zielbereich erreichten, ging es meinem Magen wieder gut und auch der restliche Körper war ok.
Na ja, aber wie sagt man so schön, die Erfahrung des Aussteigens macht jeder mal....
Die schnelle Gabriele
Wenigstens hat meine Frau die Familienfahne hochgehalten. Sie konnte unser Tempo halten und ist mit 5:42:35 als dritte der Frauen durchs Ziel geflitzt.
Der Urlaub
Die verbleibenden Tage auf Texel waren so schön und so schnell vorüber das ich noch vieles darüber schreiben könnte. Aber mir läuft auch hier die Zeit davon, so dass ich es einfach bleiben lasse.
Fazit
Kurzzeitig hatte ich mal vor, diesen Post die Fünfzig von Texel zu nennen, aber irgendwie würde das der tollen Veranstaltung nicht gerecht.
Und da es insgesamt ein super Urlaub war, denke ich, dass wir in 2, 4 oder 6 Jahren zurückkehren werden.
Ich hab da noch ne Rechnung offen!