Sonntag, 19. April 2009

De Zestig van Texel

Alle zwei Jahre zu Ostern werden auf der niederländischen Nordseeinsel Texel "die Zestig van Texel" ausgetragen. Ein Lauf rund um die Insel, über Strand, Deiche und Dühnen, durch Wälder und Dörfer. Gute 60km warten auf die Teilnehmer und eine Handvoll der ganz Harten machen daraus sogar 120km, indem sie die Runde gleich zweimal laufen.
Ohne genau zu wissen auf was wir uns einliessen, haben wir uns Ende letzten Jahres angemeldet, die Unterkunft gebucht und dann erst die Details aus diversen Quellen im Internet erfahren.

Die Heuschrecke
Karfreitag gegen neun Uhr machten wir uns gut gelaunt und vollbepackt auf die etwa 400km lange Strecke nach Texel, genauer nach de Cocksdorp im Norden Texels. Da wir bisher meist ausserhalb der Ferien reisen konnten, war ich auf etwa vier Stunden Fahrzeit plus Fähre vorbereitet. Ein Irrtum wie sich schon bald herausstellen sollte.
Schon sieben Kilometer vor der Grenze begann ein Stau wegen zu hohen Verkehrsaufkommens, der sich mal mehr mal weniger ausgeprägt bis Amsterdam fortsetzte.
So langsam bekam ich das Gefühl, wie sich die einzelne Heuschrecke fühlen muss, die inmitten eines Schwarms das Feld des hilflosen Nachbarns überfällt. Tausende von Autos aus NRW blockierten schon vormittags die Strassen unseres Nachbarlandes, dessen Einwohner ihrerseits gar keinen Feiertag hatten, sondern arbeiten mussten.
Danach ging es dann wieder etwas zügiger weiter und Hoffnung keimte auf, die anderen Touris führen woanders hin und nicht nach Texel.

Wieder ein Irrtum. Vermutlich sind sie nur alle einen anderen Weg gefahren, denn kurz vor Den Helder, dem Fährhafen, waren alle wieder da. Die letzten zwei drei Kilometer dauerten mehr als eine Stunde oder besser gesagt mehr als zwei Fähren voll.
Glücklicherweise waren dann aber wirklich alle Hindernisse überwunden und die vielen Autos verschwanden im weiten Texeler Land. Was mich übrigens ein wenig wundert, denn so gross ist die Insel doch gar nicht. Bei James Bond wäre sicher eine geheime, gigantische unterirdische Fabrik im Spiel...

Durch den Monsun
Wir aber hatten uns in De Cocksdorp im Norden der einen kleinen aber feinen Bungalow gemietet und haben gleich beim ersten Spaziergang durch das Dorf unseren Laufkollegen Michael samt Familie getroffen. Michael zählt übrigens zu den anfangs schon erwähnten ganz harten.
Am Abend haben uns Martina und Michael noch kurz mit dem Fahrrad besucht, das Wetter lud ja geradezu dazu ein.
Im Laufe des Abends änderte sich das Wetter jedoch und plötzlich bekamen wir ein Gewitter der ersten Kategorie samt Monsunregen geboten. Ich habe die beiden dann mit dem Auto nach Hause gefahren und dabei wohl die schlechtesten Bedingungen gehabt, bei denen ich jemals Auto gefahren bin.

Der Chip
Glücklicherweise war das dann aber auch der einzige Regen, den wir in dieser Woche zu Gesicht bekamen. Am nächsten Morgen war es zwar noch etwas kalt und windig aber immerhin konnte man einen Drachen steigen lassen.

Sonntag Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg nach Den Burg um die Startunterlagen abzuholen. Dort angekommen stellten wir zwei Sachen fest:
1.) Startunterlagen gab es nur für die 120km-Läufer.
2.) Zeitmessung erfolgt über den Auslandskrankenschein, äh Championchip
Große Katstrophe, denn den hatten wir sicherheitshalber mal zuhause gelassen. Schon oft haben wir ihn unützerweise mitgeschleppt doch dieses Mal waren wir sicher, dass er nicht benötigt würde.
Würden wir gar nicht erst starten dürfen?????
Wenigstens hatten wir so auf der Pastaparty was zu lachen.


Frühaufsteher
Die ganz harten durften ja schon um 4:30 Uhr starten und sollten etwa 6:20 Uhr an de Cocksdorp vorbeilaufen. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so ging der Wecker mitten in der Nacht und wir standen mit Kaffeetasse in der Hand an der Strecke.


Der Start
Danach konnten wir erst einmal beruhigt frühstücken, unsere Laufsachen anziehen und zum Startbereich in t' Horntje direkt neben der Fähre fahren. Das Wetter und die Stimmung waren super. Allerbeste Voraussetzungen für einen tollen Lauf.
Bei der Startnummernausgabe ging es holländisch entspannt zu, jede Menge nette Helfer und ein riesiger Berg an Leihchips. Wir waren wohl nicht die einzigen. Für den Start wurde die Hauptverkehrsader Texel kurzzeitig gesperrt und schon waren wir auf dem Weg.

Der Strand
Schon nach etwa fünf Kilometern kam das, was wir am meisten gefürchtet hatten: der erste Strandabschnitt.
Die ersten zwei Kilometer auf Sand waren wirklich hart. Die Strecke war noch weit entfernt vom Wasser und entsprechend locker und tief war der Sand. Der zugehörige Gegenwind hielt sich zum Glück in Grenzen.
Direkt an der Wasserlinie lief es sich dann etwas leichter, da der Boden nun fester war.

Durch die Heide und Dühnen zum Leuchtturm
Die restlichen Kilometer bis zum nördlichsten Punkt der Strecken zeigten vermutlich sämtliche landschaftsarten, die Texel zu bieten hat: Wald, Strand, Dünen, Heide und, man glaubt es kaum, kurze aber knackige Anstiege.
Das Feld lockerte sich auf und manches mal hatte man schon ziemlich viel Platz um sich herum.

Bald schon sah man den Leuchtturm (gleich nördlichster Punkt) und freut sich schon auf dem Rückenwind der dann kommen sollte.

Deichläufer
Der Großteil der weiteren Strecke verlief entlang der Deiche mal auf der Wasserseite, mal auf der Landseite.
Für mich ein echt zermürbender Teil. Aber genau dafür hatten wir ja den Krefeld-Xanten-Lauf gemacht.
Die Marathondistanz absolvieren wir mit einer Zeit von vier 4 Stunden, soweit alles gut!


Das Elend
Kurz danach war es dann leider vorbei mit meinem schönen Lauf. Bei Überschreiten der Marathonlinie schaltet mein Körper anscheinend auf Sparprogramm und ich musste etwas kürzer treten. Meiner Frau habe ich noch schnell einen guten Lauf gewünscht und mich dann schön brav ein paar Meter zurückfallen lassen. Das lief dann auch noch ein paar Kilometer ganz gut, bei der nächsten Verpflegung hat es mich dann völlig zerlegt.
Mein Magen hat sich schlagartig gegen Cola und Wasser gewehrt und mir ging es ziemlich elend. Auch nach einer Blitzentleerung ging es nicht wirklich besser und so schleppte ich mich meist gehend bis zur nächsten Verpflegungsstelle bei km 50.
Obwohl da erst fünf Stunden vergangen waren, hatte ich mit allem abgeschlossen. Als ich dort dann ein Auto stehen sah, beschloss ich kurzerhand auszusteigen.
Eine Entscheidung, die ich schon bald bereuen sollte. Denn schon als wir nach wenigen Minuten den Zielbereich erreichten, ging es meinem Magen wieder gut und auch der restliche Körper war ok.
Na ja, aber wie sagt man so schön, die Erfahrung des Aussteigens macht jeder mal....

Die schnelle Gabriele
Wenigstens hat meine Frau die Familienfahne hochgehalten. Sie konnte unser Tempo halten und ist mit 5:42:35 als dritte der Frauen durchs Ziel geflitzt.


Der Urlaub
Die verbleibenden Tage auf Texel waren so schön und so schnell vorüber das ich noch vieles darüber schreiben könnte. Aber mir läuft auch hier die Zeit davon, so dass ich es einfach bleiben lasse.

Fazit
Kurzzeitig hatte ich mal vor, diesen Post die Fünfzig von Texel zu nennen, aber irgendwie würde das der tollen Veranstaltung nicht gerecht.
Und da es insgesamt ein super Urlaub war, denke ich, dass wir in 2, 4 oder 6 Jahren zurückkehren werden.
Ich hab da noch ne Rechnung offen!

Donnerstag, 9. April 2009

New Troisdorf

Endlich ist das Vorbild der Freiheitsstatue von New York gefunden worden.
Mitten in Troisdorf steht sie, allein, alt und vermutlich unwissend, dass es im fernen Amerika eine Kopie von ihr gibt. Gut, die jenseits des Atlantiks ist vielleicht ein wenig größer geraten, aber dafür kann ich unsere von nun an jeden Tag bewundern, so ich denn will.


Nachdem ich nun die Verbindung zwischen Troisdorf und New York gefunden hatte, dauerte es nicht lange bis mir klar wurde, dass da noch mehr sein musste.
Und siehe da, ein paar Sachen sind mir noch an Troisdorf aufgefallen, die uns mit New York verbinden: Z.B. muss jede freie Wand mit (meist schlechter) Graffity verziert werden. Oder es vergeht kein Tag an dem nicht mindestens ein Überfall, Einbruch und Vandalismusfall in der Zeitung steht.
Auch die durch kluge Ampelschaltungen erzeugten Staus in der City sollen vermutlich nur ein wenig Metropolenfeeling aufkommen lassen.

Als Liebhaber von Michael Mittermeiers "Zapped"-CD weiss ich genau, das ist wie in New York! Nur etwas kleiner halt.

Trotzdem werde ich meinen nächsten Urlaub nicht im original New York verbringen. Und das nicht nur, weil ich noch keinen "Auslandskrankenschein" habe :-)

Für mich geht's jetzt erstmal nach Texel! Ungeachtet der vielen Arbeit, die einen vom Rechner fernhält, ist der Countdown still und heimlich weitergelaufen und schon Montag ist es soweit: Einmal rum um die Insel heisst es dann.

Diese Woche habe ich nicht mehr viel trainiert, sondern lieber etwas ausgeruht. Jetzt bin ich sozusagen startklar und freue mich auf den Lauf und das schöne Wetter.

Sonntag, 29. März 2009

Gras und Spiele

Der Garten ruft
Ein unerwünschter Nebeneffekt vieler Arbeit und vielen Trainings ist, dass die verfügbare Zeit schnell aufgebraucht ist.
Da hilft nur gute Organisation und Priorisierung. Leider führt das bei mir gerne mal dazu, dass alles was mit Haus- und Gartenarbeit verbunden ist, unter den Tisch fällt :-(
Irgendwann kommt dann aber der Punkt, an dem z.B. das Rasenschneiden unvermeidbar ist. Oder das Auto ohne Waschen nicht mehr vom Boden zu unterscheiden ist.

Samstag war es mal wieder soweit. Die Rasenmähersaison 2009 ist eröffnet.
Nachdem es den Vormittag nur wenig geregnet hatte und sich am Nachmittag sogar die Sonne zeigte, wurde dem frischen Grün kurzerhand der Garaus gemacht.
Irgendwie wundert es mich allerdings, wieso der Rasen nach dem harten Winter überhaupt schon wieder so viel gewachsen ist.
Vielleicht hätte ich mir die Herbstdüngung sparen sollen.

Bei dieser Gelegenheit wurde dann auch gleich die Osterdeko verteilt:


Besuch im Kinderparadies
Zum Schutz der Arbeitnehmer vor bleibenden Hörschäden gilt für Arbeitsplätze eine Lärmschutzverordnung, die regelt, wie laut es sein darf bzw. welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, wenn es lauter ist.
Zumindest nehme ich an, dass es eine solche Verordnung gibt.

Ich frage mich allerdings, ob diese Verordnung, so sie denn existiert, auch für Eltern gilt, die mit ihren Kindern in die überdachten Hallenspielplätze gehen, die es inzwischen flächendeckend gibt.
Heute Mittag hatte ich gute drei Stunden Zeit mich von der Notwendigkeit einer solchen Schutzmaßnahme zu überzeugen.

In Troisdorf gibt es nämlich auch so einen Hallenspielplatz und (fast?) alle Kinder lieben diese Dinger.
Heute waren wir mal wieder an der Reihe.
Unmittelbar nach Betreten der Halle werden Eltern nur für die Verpflegung oder zum Trösten nach Unfällen benötigt, ansonsten rennen oder fahren die Kinder quer durch die Halle, klettern oder springen in Hüpfburgen herum.
Vermutlich ist es reiner Neid wenn ich sage, wir haben das früher nicht gebraucht. Spass hätten wir sicher auch dabei gehabt.
So aber sitze ich am Rand, nahe der Imbissbude, in der es alles gibt, was zu einer guten Ernährung auf gar keinen Fall dazugehört. Pommes, Pommes, Pommes, fettige Pizza.
Und der Lärmpegel ist nahezu unerträglich. Unsere Motorenprüfstände sind dagegen Räume der Stille....
Nach drei Stunden sind meine Frau und ich weichgekocht und sind froh, als wir endlich wieder an die frische Luft können.

Aber egal, der Kleine hatte riesig viel Spass und das ist für mich Priorität Nummer eins. Und verdrängte für heute unsere Frühlingsgartenarbeiten vom Plan.

Sonntag, 22. März 2009

Auf den Spuren der Römer

Schon seit einiger Zeit hatten wir vor, einmal eine lange Punkt-zu-Punkt-Strecke im Training zu laufen.
Nach unseren 45 Kilometern letzte Woche hatten wir Lust auf mehr und so begannen wir recht kurzfristig, diesen Plan tatsächlich umzusetzen.

Vorbereitung:
Zunächst galt es eine geeignete Strecke zu finden, die
a) auch ohne vorherige Streckenerkundung zu laufen ist,
b) für uns erreichbar ist und
c) organisierbar ist (Kinderbetreuung, Verpflegung,...)

Glücklicherweise wohnt eine meiner Schwestern in Xanten (b, c), unser Sohn schläft gerne mal auswärts (c), wir hatten uns schon mal einen Fahradreiseführer über den Rheinradweg besorgt (a, c) und alle Beteiligten hatten Zeit und Lust (c).
Somit war das Ziel schnell gefunden. Über die gewünschte Streckenlänge (60-70km) und die Notwendigkeit eines nahegelegen Bahnhofs gelangten wir dann schließlich an den Startpunkt Krefeld-Uerdingen. Laut Reiseführer liegen ca. 68km zwischen Bahnhof Uerdingen und Radwegziel Xanten. Rechnet man noch ein paar Meter Weg zum Radweg hin und vom Radweg zum Ziel hinzu, so kommt man auf 70km.

Die notwendigen Seiten hatte ich aus dem Reiseführer herauskopiert und vergrößert, denn das ganze Buch wollte ich nicht mitnehmen. Da mir die Auflösung der Karten noch etwas zu schlecht war und viele Strassennamen nicht zu lesen waren, hatte ich zusätzlich noch die ganze Strecke aus Google-Maps heraus ausgedruckt. Insgesamt 21 DIN A4 Blätter mit Karten plus 8 Seiten Wegbeschreibung sollten uns durch die Niederrheinische Wildnis führen.

Für unseren Sohn und den Transfer hatten wir uns folgendes überlegt. Freitag, gleich nach der Arbeit führen Jonas und ich samt Gepäck und Duschzeug nach Xanten. Jonas bliebe da und ich würde schnellstmöglich mit dem Zug zurückfahren, so dass noch ein wenig Zeit zur Privatpastaparty bliebe und wir trotzdem früh schlafen könnten.
Nicht berücksichtigt hatte ich, dass die A3 freitags ziemlich voll ist und die Fahrt statt eineinhalb Stunden dieses Mal zweieinhalb Stunden dauerte, die Bahn schon fahrplanmäßig zweieinhalb Stunden benötigt und man bei einem Lokschaden kurz nach Köln-Mülheim noch eine Stunde mehr verbraucht.
So war ich dann kurz vor zehn abends wieder zuhause und bin dann quasi direkt ins Bett gegangen.

Anreise
Nach einer kurzen und unruhigen Nacht, in der ich mehrfach die Strecke gelaufen bin und mich immer fürchterlich verlaufen habe, klingelte um 5:00 Uhr der Wecker. Ein Kaffee und die Tageszeitung brachten uns schnell in Fahrt und bald war alles verpackt und wir waren abmarschbereit.
Ein kurzer Fussmarsch und wir waren pünktlich am Bahnhof Troisdorf:

Die Bahn hatte einen besseren Tag als am Freitag und so standen wir dann bei strahlendem Sonnenschein um 8:09 Uhr mit Kartenblatt eins (von 21) am Bahnhof Uerdingen.
Das Wetter war blendend, Viel Sonne aber nicht zu warm, ein toller Lauf lag vor uns.

Zum Rhein
In der Gegend von Krefeld scheint der offizielle Rheinradweg nicht gerade durch attraktive Gegenden zu führen, so dass im Reiseführer eine alternative Route vorgeschlagen wird, der wir gerne gefolgt sind.
Nach nur wenigen hundert Metern in einem städtischen Umfeld führt der Weg in einen Park und von da an sieht man fast nur noch wenig oder gar nicht befahrene Strassen.

Schon bald wird klar, dass wir zu warm angezogen sind und die ersten Bekleidungswechsel stehen an. Aber so sieht man wenigstens trotz Trinkrucksacks, wo wir herkommen.
Nach kurzer Zeit erreicht man den Toppersee, ein Naherholungsgebiet, dass zu dieser Zeit hauptsächlich von Walkern bevölkert wird.

Über die Autobahn, die ich gestern noch befahren hatte, führte der Weg dann endlich zum Rhein, etwa zwanzig Kilometer hat man da bereits in den Beinen.



Von Duisburg-Homberg nach Rheinberg
Abschnitt zwei des Weges führte uns endgültig an den Niederrhein. Die Industrieanlagen wurden spärlicher, die Gegend ländlicher.

Die Landschaft am Niederrhein beschreibt der Routenplan als "übersichtlich". Gemeint ist damit vermutlich folgendes:
Entweder läuft man über lange Deiche wie oben gesehen
oder über lange Feldwege

Ein paar Schlenker weiter und wir erreichten nach etwa 44km Laufstrecke Rheinberg, ein kleines Örtchen, das wir für unsere Mittagspause vorgesehen hatten.
Tatsächlich fanden wir auch eine kleine Pizzeria und ein paar Nudeln und zwei Cola-Bier später konnten wir unseren Lauf gestärkt fortsetzen.
Wohl zum ersten Mal in unserer gemeinsamen Geschichte hat meine Frau dabei mehr gegessen als ich! Während ich meinem Magen nicht mehr als einen halben Teller zugetraut habe, hat sie noch locker meinen Rest verspeist.

Von Rheinberg nach Xanten

Während die Autos laut auf direktem Weg nach Xanten nur noch 18km vor sich hatten, schickte uns unser Reiseführer brav den Rhein entlang, zunächst in Richtung Wesel und dann dem Rheinbogen folgend nach Xanten.
Bis etwa Kilometer 50 oder 55 ging es mir noch ziemlich gut, doch danach wurde es ziemlich hart für mich. Meine Beine funktionierten noch ganz gut, doch der Rest des Körpers war der Meinung, dass es langsam genug der Arbeit war.
So ganz nebenbei sind dann meine gesammelten Rekorde gepurzelt. Die längste Zeit gelaufen bei sechs Stunden und die längste Strecke bei 58km.
In der Nähe der Weseler Rheinbrücke haben wir dann noch einmal eingekauft und uns mit Cola versorgt, die mir wieder auf die Sprünge half.
Allerdings immer nur kurzfristig, die Häufigkeit der Trinkpausen nahm deutlich zu.
Einige Kilometer vor Xanten konnte ich meiner Frau kaum noch folgen, die im Gegensatz zu mir keine Zeichen von Ermüdung zeigte.
Gerettet hat mich dann die Begegnung mit einem 75-jährigen Radfahrer, der uns auf den letzten 5 Kilometern begleitet und unterhalten hat. Er läuft und wandert auch noch und mag insbesondere Bergsteigen!
Das hat mich so sehr abgelenkt, dass ich die letzten Kilometer wieder ganz gut mitlaufen konnte.

Am Ziel
Pünktlich wie die Maurer erreichten wir um 17:00 Uhr nach 70,2km unser Ziel, das Klever Tor in Xanten.

Nach etwas Essen und viel Trinken ging es uns wieder ganz hervorragend und wir konnten zufrieden mit dem Auto zurück nach Hause fahren.

Zwei Dinge habe ich gestern gelernt:
1.) Auf Ultrastrecken ist meine Frau eindeutig beser als ich und
2.) 45km gut zu schaffen heißt nicht, dass das auch für 70km gilt.

Spass gemacht hat es trotzdem und es schreit quasi nach Wiederholung und/oder Steigerung.

Aber nicht in den nächsten Wochen...

...Versprochen!

Sonntag, 15. März 2009

Dann laufen wir mal zum Rhein...

Es gibt Tage, an denen soll man lange laufen und weiß nicht wirklich, ob das klappen wird.
Am Samstag war es mal wieder soweit. Punkt halb acht morgens stand der Babysitter vor der Tür und wir ebenso unentschlossen wie gut ausgerüstet auf der anderen Seite.
Also haben wir bei der Übergabe vorsichtshalber eine Arbeitszeit zwischen zwei und fünf Stunden vereinbart. Damit sollten die üblichen Strecken locker abgedeckt sein.

Wie so oft bei den autofreien Haus-zu-Haus-Läufen ging es zunächst an die Sieg, um über Sieglar in Richtung Rhein zu laufen. Man muss sich ja immer wieder mal erkundigen, ob noch genug Wasser da ist. Und, wie soll ich sagen, es war noch genug da:

Etwa 10km hat man da schon gesammelt und ist damit sozusagen gut warmgelaufen. Um die unangenehmen Brückenquerungen möglichst früh erledigt zu haben, liefen wir direkt über die Nordbrücke auf die Bonner Seite.

Auch wenn die Rheinbrücken ziemlich hoch sind und man ein paar Meter bergauf muss, sollte man übrigens trotzdem immer die Brücke nehmen.
Der letzte, der versucht hat über das Wasser zu gehen, hat es nämlich nicht geschafft.
Das können halt nur wenige...



Bei inzwischen angenehmen Temperaturen führt der Weg von nun an entlang des Rheinufers Richtung Süden.
Die Kennedybrücke bietet die erste Möglichkeit zur Umkehr, das würden wir dann die kleine Bonnrunde nennen und unser Babysitter wäre nach zweieinhalb Stunden erlöst.

Uns aber ging es hervorragend und wir verschwendeten keinen Gedanken an das Betreten der Bonner Großbaustelle.
Auf dem Weg entlang der vielen Ausflugsboote zur einen und der Villen und ehemaligen Regierungsgebäuden zur andern Seite verging die Zeit wie im Flug und schon näherten wir uns dem Wendepunkte unserer großen Bonnrunde, der Südbrücke. Damit könnte man etwa 32 km ins Trainingsbuch eintragen.

Mitten in die Diskussion zur weiteren Streckenführung lief uns dann ein echter Ultrapromi über den Weg. Michael, unser 24h-WM-Teilnehmer, sammelte auch gerade fleissig Kilometer.
Da darf man natürlich nicht schwächeln und so stand ruckzuck fest, dieses Wochenende war an der Südbrücke noch nicht das Ende erreicht.
Glücklicherweise ist der Rhein ja lang genug, so dass einer extra Schleife nichts im Weg stand. Voraussetzung ist allerdings die Flussschiffahrtstauglichkeit.
Die nächste Brücke ist meines Wissens irgendwo bei Koblenz und das war uns dann doch etwas zu weit. Somit kam die beliebte Flusskreuzfahrt mit der Fähre wieder ins Spiel.
Nach der Südbrücke läuft man noch ein Stück durch die Rheinauen um dann bei Bad Godesberg auf der anderen Rheinseite Königswinter zu sichten.
Die Weicheierfähre zwei Kilometer vor Königswinter würdigten wir keines Blickes, wer will schon schreiben, wir liefen bis kurz vor Königswinter.
Der große Fährbruder allerdings, rächte seinen kleinen Bruder und fuhr uns prompt vor der Nase weg.

Uns kam die Pause jedoch ganz gelegen und so konnten wir ganz genüsslich die mitgebrachten Bananen und Brötchen essen.
Die Forerunner zeigte an dieser Stelle 23km. Während der Überfahrt hatten wir sie natürlich gestoppt. Wir wollen ja nicht mogeln.
In der Zwischenzeit war es schon richtig warm geworden und Handschuhe und Mützen konnten in den Rucksack wandern.

Frisch gestärkt und erholt konnten wir dann rechtsrheinisch den Rückweg antreten. Fast schon traditionell kauften wir am Kiosk der kleinen Fähre, jetzt kurz hinter Königswinter, Bounty, Mars und Cola. Das steigert die Laune und macht tatsächlich mobil.

Bis zum Erreichen der Südbrücke ist die rechte Rheinseite nicht so wirklich toll zum Laufen, insbesondere weil man selbige Brücke schon fast von Königswinter aus sieht, es aber noch ein ziemlich weiter Weg ist.

Die Beueler Seite zwischen Süd- und Nordbrücke hingegen laufe ich immer wieder gerne. Es ist meist grün, kurzweilig und man hat einen schönen Blick auf Bonn.
Der Rest des Weges war dann ziemlich unspektakulär. An der Nordbrücke verläßt man den Rhein und erreicht schnell wieder die Strecken an der Sieg, die man schon tausend mal gelaufen ist.
Na gut, vielleicht auch nur hundert mal. Auf jeden Fall aber kennt man praktisch jeden Stein. Nach nun mehr als 37km konnten wir auf Autopiloten stellen und unsere Beine haben uns alleine nach Hause getragen. Am Ende hatten wir tatsächlich 45km geschafft und uns die Dusche redlich verdient. Ich bin erstaunt und froh, dass die Beine so gut mitgemacht haben.

Wenn in den nächsten Wochen nichts dazwischen kommt, sollte die Vorbereitung auf Texel eigentlich ganz gut aussehen.

Donnerstag, 5. März 2009

Zuschauen in Stein

Gehören eigentlich auch als Zuschauer gesammelte Kilometer ins Trainingstagebuch? Zumindest in der Kategorie Erfahrung und Motivation hätte ich am letzten Wochendende einige Punkte gesammelt!
In Stein, etwa 30km entfernt von Aachen, fand der traditionelle 6-Stunden-Lauf statt. Und das bei sensationell guten Bedingungen. Trocken, angenehm warm, aber nicht zu warm und von Zeit zu Zeit sogar mit Sonne.

Da meine Frau mitlaufen wollte und Jonas und ich nix anderes vorhatten, war klar, dass wir zumindest zur zweiten Hälfte der Veranstaltung dabeisein würden.
Die ganzen sechs Stunden wollten wir dem Kleinen nicht zumuten, im Nachhinein war das vielleicht etwas überbesorgt. Denn nicht nur das Wetter war schön, sondern auch der Veranstaltungsort. Die Strecke verlief nämlich quer durch einen Freizeitpark mit zahlreichen Kletter- Rutsch- und Drehgelegenheiten, so dass nicht die Langeweile, sondern das Ende der Spielkraft und die kommende Müdigkeit den Spass begrenzten.
So etwas geht natürlich nicht ohne Verluste, die gute Sonntagshose hat den Ausflug nicht überlebt...

Als wir so ca. zweieinhalb Stunden vor Ende des Rennens ankamen, erwischten wir gerade noch so die Mama, die fullspeed um die Ecke rauschte. Bei Läufen, die länger als Marathon sind, ein für mich inzwischen vertrautes Bild:

Später haben wir sie dann immer mit Eigenverpflegung (= Cola in Trinkflasche) angelockt und vorher schnell ein Foto geschossen.

Unter den Teilnehmern waren noch einige Mutler und Läufer, die man zumindest vom Sehen her kennt.
Leider hat meine noch fast neue Digitalkamera die Angewohnheit, immer die falschen Dinge scharfzustellen, so dass meine Fotoauswahl recht beschränkt bleibt.

Das obere Foto zeigt im übrigen Michael, für den 6 Stunden-Läufe wohl eher zu den Sprintstrecken zählen. Unten ist Martin, der gerne mal mit dem Cabrio zu den Wettkämpfen fährt ;-)

Am Ende hatte Gaby dann fast 65km gesammelt und sah aus wie nach einem Trainingslauf.

Für alle Teilnehmer und Zuschauer war es sicherlich ein schöner Tag und die meisten werden 2010 wieder in Stein sein.
Ich persönlich habe viel darüber gelernt, wie man ein Rennen einteilen kann und hätte am liebsten auch gleich noch einen 6h-Lauf bestritten.
Die vielen gesehenen Rennkilometer haben mich dann allerdings so sehr geschafft, dass ich in dieser Woche bisher gerade mal 16km geschafft habe. Da soll noch mal einer sagen, Zuschauen sei nicht anstrengend.
Aber ich hab ja noch das Wochenende um die Km-Bilanz ein wenig aufzupolieren

Montag, 23. Februar 2009

Schantalle und der Überfluss

Wieder einmal eine Session gut überstanden, auch wenn die ganz harten Karnevalisten ja noch mitten drin stecken.
Wir haben dieses Jahr nur zwei Züge angesehen, den Rest der Zeit habe ich fleissig trainiert. Samstag 41km, Sonntag 17 und heute 16, alles in allem sehr zufriedenstellend.
Mit dem Wetter hatten wir auch noch einigermaßen Glück, während der Züge hat es für uns kaum geregnet und wenn doch, dann nur dieser typische schmuddelige Troisdorfer Nieselregen.

Schönster "Wagen" des Troisdorfer Zugs war für mich die "Schantalle", die wirklich gut in die Gegend passt.

Kamelle gab es in Troisdorf wie immer reichlich, die Kinder haben sicherlich alle eine gute Portion abgestaubt.
Schockierend fand ich allerdings, was alles nicht aufgesammelt wurde. Dass die ganz billigen Kamelle liegenbleiben, daran hat man sich ja schon gewöhnt. Aber dieses Mal lag auch viel "besseres" Wurfmaterial achtlos auf der Strasse herum. Und das obwohl Leute mit Kindern direkt daneben standen.
Man bückt sich heutzutage vermutlich nicht mehr. Es wird erwartet, dass man Berge von Süßigkeiten gleich in die mitgebrachten Beutel gesteckt bekommt.

Abteilung Seltsames
Seit ein paar Tagen steht bei uns zuhause ein seltsamer Zeitgenosse herum, dessen Sinn ich noch nicht ganz durchschaut habe.

Ich habe den Verdacht, es könnte eine Voodoo-Puppe sein, die Frage ist nur, wen stellt sie dar?
Sobald ich näheres herausgefunden habe, werde ich es Euch mitteilen...